Das gleichnamige, von Bartholomäus Grill, dem ZEIT-Korrespondenten, verfasste Buch, kann ich Euch wirklich ans Herz legen, wenn Berichte aus Afrika mal wieder allzu widersprüchlich erscheinen. Wer in Afrika gelebt hat, weiß, in welches Wechselbad der Gefühle uns dieser Kontinent taucht: „Er kann uns am Morgen die Hoffnung rauben und am Abend frische Zuversicht schenken.“ Zur Zeit sind wir als „Rückkehrer“ nach einigen Jahren Swaziland (1987 – 1990) und beruflichen sowie touristischen Stippvisiten im Sudan, im östlichen und südlichen Afrika (seit 1978) noch in der ersten Anpassungsphase an eine der ältesten Kulturen des Kontinents mit ihren ca. 50 Nationen und Sprachen allein in der von uns beschriebenen Südregion Äthiopiens. Unsere Berichte werden nie den Anspruch haben können, „objektiv“ sein zu wollen. Es sind Momentaufnahmen, von „Gefangenen des eurozentristischen Blicks“…
Addis Ababa - eine sich rasant entwickelnde Großstadt - im Hintergrund der Great Ethiopian Run 2005
Auf den ersten Blick stellen wir mitfühlend fest, geht es Afrika so schlecht, weil wir Afrika Schlimmes angetan haben: 50 Millionen Arbeitskräfte wurden dem Kontinent über Jahrhunderte geraubt und als Sklaven verkauft bzw. starben auf den Transporten nach Übersee, der Kolonialismus tat ein Jahrhundert ein übriges, was für Europa wichtig und lohnend war, wurde nach Europa verschifft, für große – Hamburger ! -Handelshäuser angebaut, geraubt. Die Liste der Grausamkeiten ist lang und überall nachlesbar. Andererseits ist die Liste der himmelschreienden Missstände in den bislang analysierten Ländern südlich der Sahara auch ellenlang. Vom Versagen der politischen Eliten ist immer wieder zu lesen. Hungerkatastrophen, Dürreperioden, HIV runden das Bild in unseren Köpfen ab.
Injera – äthiopisches Nationalgericht
Entwicklungsexperten haben ausgerechnet, dass die Afrikaner durch den Agrarprotektionismus der Amerikaner, Europäer und Japaner jährlich rund 20 Mrd. US$ an Exporteinnahmen verlieren – das Doppelte der Entwicklungshilfe, die jährlich nach Afrika fließt… (Europäisches) „Motto: Brot für die Welt – die Wurst bleibt hier!“ Afrika fällt im Zeitalter der Globalisierung immer weiter zurück…
Warum ist die negative Entwicklung auch in Äthiopien sichtbar, einem Land, das nie kolonisiert wurde, über die größten Wasserreserven Afrikas verfügt und nur 5% des weitgehend fruchtbaren Bodens landwirtschaftlich ausreichend nutzt? „Die Äthiopier können sich selber ernähren, wenn die Weichen richtig gestellt würden!“ (Entwicklungshilfeministerin Höven, Holland). Die USA halten für 25.000 Bauern (von Baumwolle und Weizen) die Zollschranken hoch und subventionieren diese mit ca. 4 Mrd. US$ jährlich. Der freie Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus Äthiopien würde die „Nahrungsmittelhilfe“ an die 4 – 5 Mio. Äthiopier überflüssig machen! Es gibt hier ausreichend fruchtbare Böden!
Äthiopien ist das einzige Land des Kontinents, das im Jahre1896 die italienischen Eindringlinge mit den Truppen Kaiser Meneliks vernichten konnte. Wir tauchen in ein Land ein, dass von Widersprüchen geprägt ist und wo sich Millionen von Menschen in der informellen Ökonomie über Wasser halten…Wir sehen zig Menschen, die sehr fleißig sind, große Lasten tragen – über Kilometer – in der Hitze das Feld beackern, Korn mit der Hand ernten, mit mittelalterlich anmutenden Pflügen große Flächen bearbeiten.
Seit 200 Jahren ist die Jagd nach Sklaven verboten. Afrikas Not ist noch heute gewaltig. Der Katastrophen-Journalismus sorgt ständig dafür, dass in Europa kaum jemand ein differenziertes Bild über einen riesigen Kontinent erhält. Afrika ist mit seinen ca. 1 Mrd. Einwohnern (2010) so unterschiedlich! Heiter und gelassen, traurig und brutal, friedlich und wunderschön … z.B. in Awassa, einem Vogelparadies!
Wie Äthiopier Silvester feiern, ist hier gut anlässlich der New Years Celebrations in San Francisco 2002 zu sehen:
http://www.youtube.com/watch?v=jCfu2SRW_nY
und ein weiterer Hinweis...
Wer mehr Fakten über Äthiopien sucht, kann die nachfolgende website aufsuchen:
http://liportal.inwent.org/aethiopien.html
JB ´05 ´09´10