Updates: http://www.deutsch-aethiopischer-verein.de/ z.B. 06/2012
http://www.welt.de/wirtschaft/article108336350/Chinesische-Investoren-kaufen-halb-Afrika-auf.html , DIE WELT, 19.07.2012,
Wir beklagen uns in Deutschland über die krisenanfällige Wirtschaft, über steigende Benzinpreise, Steuern und Abgaben, über sinkende Renten und Geburtsziffern. Wie wär’s mal mit einem Blick über den Tellerrand?
Vom Kalten Krieg zum pragmatischen, marktorientierten Engagement: Die staatliche Entwicklungshilfe und der Westen im allgemeinen haben Märkte in Afrika (wieder-) entdeckt, und machen Druck in Sachen Demokratisierung, Menschenrechte und politische Reform.
China bietet eine Alternative: Die gebotene Unterstützung in Form von Investments ist attraktiv, da fast bedingungslos! (US-Untersuchung von 12/2005). Eine neue Strategie wird sichtbar, die der Nichteinmischung in die “inneren Angelegenheiten von Staaten” und der weltweite Kampf um „Ressourcen“, der von CHINA seit 1993 (China wandelte sich aufgrund seiner Wachstumsraten vom Ölexporteur zum Importeur dieses wichtigen Rohstoffs) konsequent verfolgt wird. Äthiopien kooperiert eng mit China. Beamte in den Schlüsselpositionen der Ministerien nehmen an Fortbildungen in China teil und verstärken die freundschaftlichen Bande. mehr ...
Chinas Afrikahandel in Zahlen: 35 Mrd. US$ im Jahre 2005. Allein in den neunziger Jahren stieg das Handelsvolumen zwischen China und dem afrikanischen Kontinent um 700 Prozent. Von 2002 auf 2003 verdoppelte sich das Volumen von etwa 9 Milliarden Dollar auf 18,5 Milliarden Dollar, um 2004 noch einmal nahezu 100 Prozent zuzulegen.
In den 60er und 70er Jahren hatten die Chinesen weltweit 25.000 Ärzte und Ingenieure eingesetzt. Jetzt dominieren Eigeninteressen. Jetzt sind 715 Chinesische Unternehmen in Afrika ansässig – übrigens nicht nur der Rohstoffe wegen! China geht es in Afrika auch um das Schaffen von Absatzmärkten. Chinesische Produkte sind billig und damit der Kaufkraft der Afrikaner angepasst. Sie überschwemmen den Kontinent. Gleichzeitig aber kann die lokale Wirtschaft mit den Chinesen nicht konkurrieren.
Im südlichen wie im westlichen Afrika stirbt ein Textilunternehmen nach dem anderen, weil die chinesischen Anbieter jeden noch so knapp kalkulierten Preis unterbieten. In den Einkaufszentren zwischen Harare und Kapstadt ist kaum noch ein Bekleidungsstück zu finden, das nicht „Made in China“ ist.
Zudem privatisieren mehr und mehr afrikanische Länder ihre maroden Staatsbetriebe und öffnen sich ausländischem Kapital, was chinesischen Unternehmen wie ein warmer Regen vorkommen muss. Insbesondere in der Textilbranche kaufen Chinesen preisgünstig jene afrikanischen Betriebe auf, die sie vorher durch ihre aggressive Preispolitik vom Markt vertrieben haben - und sie nutzen die Exportvergünstigungen dieser Unternehmen, um die Einfuhrquoten für chinesische Textilien nach Amerika und in die EU zu umgehen.
Bedingt durch das chinesische Engagement ist das Wirtschaftswachstum Afrikas jetzt auf 5,2% gestiegen. In den nächsten 5 Jahren wird der Handel zwischen Afrika und China auf 100 Mrd. US$ ansteigen.
Der Westen scheint nicht interessiert daran zu sein! Das Afrikageschäft ist nicht risikolos, aber China braucht für sein Wachstum Rohstoffe, d.h. die chinesische Regierung schultert die Risiken ihrer Geschäftsleute und ermuntert sie, in afrikanischen Ländern zu investieren. Rohstoffe sind deswegen in immer größerem Umfang nach Peking unterwegs statt nach Paris, London oder Washington!
Sudan: 50 – 60 % der Ölreserven werden nach China exportiert; China investierte 8 Mrd. US$. 10.000 Chinesen arbeiten im Sudan.
1 Mio. Tonnen Rohöl importieren die Chinesen jeweils aus Congo-Brazzaville und Gabun.
Die China National Offshore Oil Corporation (CNOOC), ein nationaler Energiekonzern, ist aktiv in Equatorial Guinea, Chad, Gabun and Angola. Seit Januar 2006 ist die CNOOC mit 45% an einem Unternehmen in Nigeria beteiligt. Dafür legte man ganz entspannte $2.27 Mrd. hin!
Angola wurde von den Chinesen mit einem 2 Mrd. US$ Kredit (mit 1,5% Zinsen über 17 Jahre) bedacht, um die angolanischen Ölreserven für China zu sichern. Weltbank und der Internationale Währungsfonds wollten dem Land wegen der galoppierenden Korruption keine weiteren Kreditlinien einräumen. Die Bedingung der Chinesen aber war, dass 70 Prozent der Aufträge an chinesische Unternehmen gehen und dass der Kredit teilweise mit Öllieferungen getilgt wird. Der Vorteil solcher Arrangements, wie sie auch in Tansania, Gabun, Äthiopien, Elfenbeinküste, Togo und Mali zu beobachten sind, liegt auf der Hand: China bietet Komplettlösungen für Infrastrukturmaßnahmen, von der Finanzierung über den Bau bis hin zur Schulung einheimischen Personals (200 – 300 Äthiopier werden demnächst in China geschult; sämtliche neuen Straßenprojekte sind hier von den Chinesen als Paket angeboten worden!) - und das zu einem Bruchteil der Kosten, die ein europäisches Unternehmen berechnen würde.
Die Ölreserven Angolas stellen 13% des chinesischen Ölbedarfs dar. Insgesamt erreichte der Handel zwischen diesen Staaten im Jahre 2005 $6.95 Mrd., ein Anstieg von 41,6 % gegenüber dem Vorjahr. In Zambia wurden $170 Millionen in den Minensektor (Kupfer) investiert.
In Deutschland sprechen wir über Militäreinsätze im Kongo. Die Chinesen investieren dort in Kupfer und Kobalt. In Nigeria werden sie den ersten Satelliten ins All schießen. Betrug der Handel mit Nigeria 1998 noch 384 Mio. US$, war er im Jahre 2005 schon bei 3 Mrd. US$ angekommen.
Zimbabwe's unter Druck geratener Präsident Robert Mugabe besuchte China, um die Gunst der Stunde zu nutzen. Mugabe, der dringend auf einen anderen Partner angewiesen ist, bekam jedoch weniger Aufmerksamkeit als vermutet. Die chinesische Schlüsselfigur ist Li Zhaoxing, China's Außenminister. Li Zhaoxing ist kein Unbekannter für die Afrikaner. Von 1970 bis 1977 arbeitete Li in der Chinesischen Botschaft in Kenya, von 1983 to 1985 war er 1. Sekretär in Maseru, Lesotho.
Deutsche und Amerikaner betrachten die Dimension dieses Engagements mit offenen Mündern. Beim letzten Besuch des chinesischen Staatspräsidenten HU („Who is HU?“) wurde in den USA allerdings Verträge im Werte von 16 Mrd. US$ abgeschlossen. Wer will da schon kleinlich sein, wenn es um Menschen-rechte geht? Und: Irgendwie müssen die chinesischen Dollarreserven ja auch ausgegeben werden, oder?
Source: Africa Insight: China calling: Is it time to say goodbye to US and Europe? Published: 4/14/2006, Africa Insight is an initiative of the Nation Media Group's Africa Media Network; AFRICA: China's great leap into the continent, in: www.irinnews.org, 23/03/2006; Thomas Scheen, in: F.A.Z., 11.05.2006, China rollt den afrikanischen Kontinent auf
>> Aktualisierungen in den Informationsblättern des Deutsch-Äthiopischen Vereins:
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Arm - Reich
Chinesisch-afrikanischer Gipfel - Ökonomie statt Moral
Die chinesisch-afrikanischen Beziehungen beobachte ich seit längerem. Im Büro stelle ich fest, dass Fortbildungen in China zukünftig Routine werden.
„Es dürfte schwer fallen, für den chinesisch-afrikanischen Gipfel, der dieses Wochenende in Peking stattfindet, ein historisches Vorbild zu finden. Wann gibt es das schon, dass ein einzelnes Land die Regierungschefs eines ganzen Kontinents in seiner Hauptstadt versammelt? Es ist ein schweres Zeichen mit einem harten materiellen Kern: China ist seit kurzem nach Amerika und Frankreich der drittgrößte Geschäftspartner afrikanischer Staaten, in den letzten vier Jahren ist das Handelsvolumen von neun auf knapp vierzig Milliarden Dollar gewachsen, bis 2010 soll es auf hundert Milliarden gestiegen sein. Da ist im Windschatten der selbstbezogenen Globalisierungsdebatte des Westens eine geschichtliche Umwälzung im Gange, für die noch weitgehend die Begriffe fehlen. Gewiss ist nur, daß der Gipfel dieses Wochenendes ein Signal ist, aber wofür?"
Die Provokation des chinesischen Vorgehens liegt darin, daß man den Afrikanern, gerade indem man sie nicht zuerst als moralische, sondern nur als ökonomische Subjekte behandelt, effektiver zu helfen scheint, als dies der Westen bisher schaffte... Der Westen machte seine Unterstützung zunehmend von der Einhaltung bestimmter politischer Maßstäbe abhängig.
In Awassa tragen die Produkte chinesischer Firmen mit ihren Billigpreisen allerdings nicht bloß zu einer Konsumbelebung bei, sondern auch zum Sterben der einheimischen Produktion! Dies weiß man in Äthiopien und ist entsprechend vorsich-tig im Umgang mit den Chinesen.
Dabei sei der praktizierte westliche Ansatz der Entwicklungshilfe für die vermeintlich armen Länder schon mal unzureichend (Heinsohn/de Soto): Der wichtigste Hebel zur Geldschöpfung sei garantiertes Eigentum. Mit Eigentumstiteln ließen sich private Kredite aufnehmen - ein gänzlich unterentwickelter Baustein bei der „Hilfe zur Selbsthilfe" in der deutschen Entwicklungspolitik! Hier sollte ein wesentlicher Beratungsansatz liegen.
70% der Weltgeldschaffung ist mit Grundeigentum besichert, 59 Länder schaffen 98% der Weltbörsenkapitalisation, die restlichen 140 gerade mal 2%. Kommunale Bauprojekte ließen sich in ungeahntem Ausmaße realisieren, wenn die entsprechenden bürokratischen Hindernisse aus dem Weg geräumt würden, so sind den einheimischen Banken zur Zeit die Hände gebunden.
Die Eigentumsfrage ist eine der Schlüsselfragen für die Entwicklung Äthiopiens. Aufgrund der jüngsten Entwicklung in CHINA (Garantie von Eigentum mit Verfassungsrang!), wird sich sicherlich in einem Zeitraum von 10 Jahren auch in Äthiopien etwas bewegen. 1849 gab es in auch in Kalifornien noch 800 verschiedene Eigentumsrechtssysteme!
Der peruanische Ökonom Hernando de Soto (Bestseller „The Mystery of Capital") warnt allerdings vor einer vorschnellen Implementierung: In der 400jährigen Geschichte Perus habe es immerhin 22 Fehlschläge gegeben!
Seine Grundthese ist, dass das Sparpotential der Armen immens und ungenutzt ist: Die Armen sparten insgesamt 45 x soviel, wie die armen Länder seit 1945 an Entwicklungshilfe erhalten haben (insgesamt 9,3 Billionen US$), nur dass ihre Investitionen von keiner Bank als Eigenkapital anerkannt würden, aufgrund der meist nirgends registrierten Eigentumsrechte. Damit können die Armen nicht an der Geldschöpfung teilnehmen. Dies sei aber der beste Weg, Armen zu helfen.
De Soto ist mittlerweile Berater von 20 Staatspräsidenten weltweit, sein Buch hab ich hier verbreitet. Wann wird er von Äthiopien offiziell eingeladen und als Berater genutzt?
„The poor are not the problem, they are the solution!" (Hernando de Soto).
Unabhängig davon wird in Äthiopien ein für den städtischen Kleinhandwerker überlebensnotwendiges Kleinkreditsystem aufgebaut, auf dem Lande existiert so etwas schon leidlich.
Gelesen in: F.A.Z., 04.11.2006, Nr. 257 / Seite 37, Von Mark Siemons, Peking und in: Heinsohn, G., Söhne und Weltmacht, Zürich, 8. Auflage 2006, S. 146 f.), Hernando de Soto, The Mystery of Capital, 2000
Mehr über Hernando de Soto
http://www.inwent.org/E+Z/zeitschr/ez100-6.htm
JB ´08´10
Jeder Besucher wird mit der äthiopischen Kaffeezeremonie in Berührung kommen!