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Teil 6 - Jean Ziegler

Jean Ziegler

Jean Ziegler (Schweizer Staatsbürger)  ist derzeit UNO-Sonderberichterstatter für das Recht  auf Nahrung. Mit seinen Büchern „Wie kommt der Hunger in die Welt?“, „Die neuen Herrscher der Welt und ihre globalen Widersacher“ sowie „Das Imperium der Schande“ hat er Aufsehen erregt (neuester Buchtipp: "Der Hass auf den Westen, Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren") Diskussionen ausgelöst; die Bücher standen monatelang auf den Bestsellerlisten. Eine Empfehlung für die bevorstehenden Wintermonate in Deutschland, geschrieben noch kurz vor meiner Abreise in die Sommerferien nach Deutschland/Spanien. Unbedingt lesenswert – deswegen einige Auszüge als Appetithappen (mit der Einschränkung, dass seine Passagen über Awassa typisch verkürzend und z.T. auch falsch sind - Kaffeepreise! Der Ort als „Ansammlung von Hütten“! - typisch für Leute, die nur mal eben einen Kurzzeiteinsatz per Toyota Landcruiser in Äthiopien absolvieren!). Ein Dank an Thorsten und Anke, die uns diese Neuerscheinung zuschickten.

ZIEGLER zitiert Brecht, Partei ergreifend für die Leiden des Großteils der Weltbevölkerung:

Und es sind zwei Sprachen oben und unten
Und zwei Maße zu messen
Und was Menschengesicht trägt
Kennt sich nicht mehr. …
Die aber unten sind, werden unten gehalten
Damit die oben sind, oben bleiben.

(B. Brecht, Heilige Johanna der Schlachthöfe, in: Ziegler, J., Das Imperium der Schande, München 2005, S. 95)

Er belegt seine Untersuchungsergebnisse mit Fakten, vor denen wir Europäer kaum unsere Augen verschließen können, fängt aber auch an zu träumen:


African sunset


Fakten

  • Heilbare Krankheiten haben im vergangenen Jahr 12 Mio. Menschen getötet, hauptsächlich in den Ländern der südlichen Hemisphäre.
  • 850 Mio. Menschen sind Analphabeten
  • 325 Mio. Kinder haben keinerlei Aussicht, eine Schule zu besuchen
  • 152 Mio. Säuglinge hatten 2004 nicht das für die Geburt erforderliche Gewicht, 50% von ihnen wird an einer unzureichenden psychomotorischen Entwicklung zu leiden haben.
  • Der Anteil der 42 ärmsten Länder der Welt am Welthandel belief sich im Jahr 1970 auf 1,7%. Im Jahr 2004 beträgt er 0,6%.
  • Vor 40 Jahren litten 400 Mio. Personen an permanenter und chronischer Unterernährung. Heute sind es 842 Mio.
  • 2003 belief sich die öffentliche Entwicklungshilfe der Industrieländer für die 122 Länder der Dritten Welt auf 54 Mrd. Dollar. Im selben Jahr überwiesen diese Länder den Banken des Nordens 436 Mrd. Dollar an Schuldendienst (Zinsen und Tilgungsraten), das sei die „anschaulichste Illustration der strukturellen Gewalt, die in der heutigen Weltordnung am Werk ist.“ (ZIEGLER)
  • OXFAM Deutschland beziffert diese Relation mit 1 Dollar Entwicklungshilfe und 1,44 Dollar an Schuldendienst.
  • In: www.epo.de, 2004
  • Alle fünf Sekunden stirbt wegen der Verschuldung ein Kind unter zehn Jahren.
  • Die Kapitalrendite der 500 mächtigsten Konzerne belief sich 2001 auf jährlich 15% in den USA und 12 % in Frankreich.
  • Militärausgaben pro Jahr auf der Welt: 780 Mrd. Dollar (Anm. von mir: Stimmt die Zahl?). Die Mitglieder des Sicherheitsrates – vor allem die USA – rechtfertigen gigantische Steigerungsraten von 18% mit dem  „Weltkrieg gegen den Terrorismus“. Allein der Krieg der USA gegen den Irak kostete die USA im Untersuchungs-zeitraum 09/2003 – 09/2004 durchschnittlich 4,8 Mrd. Dollar – monatlich (!).

Ziegler, J., Das Imperium der Schande, München 2005, S. 32 ff.


Träume

Was man mit einigen Mrd. Dollar alles so finanzieren könnte:

  • Tretminen beseitigen – 2 Mrd.
  • Analphabetismus beseitigen – 5 Mrd.
  • Allen Kindern, weltweit, zwischen 6 und 15 den Zugang zu Schulen verschaffen – 7 Mrd. für 10 Jahre (UNICEF-Berechnung), das ist weniger als der Betrag, den alle Europäer jährlich für Eiscreme ausgeben.
  • Allen den Zugang zu Trinkwasser ermöglichen – 19 Mrd.
  • Unterernährung beseitigen – 19 Mrd.
  • Slums beseitigen – 20 Mrd.
  • Die Verschuldung der 49 ärmsten Länder beseitigen – 30 Mrd. usw.

Die Annullierung der Auslandsschulden sowie die Bezahlung dieser Träume hätte auf die Wirtschaft der Industrieländer praktisch keinen Einfluss
Ziegler, J., Das Imperium der Schande, München 2005, S. 43

Lasst uns an der Umsetzung unserer Träume arbeiten! Organisationen wie Attac, OXFAM, Ärzte ohne Grenzen, ActionAid und WEED sind Beispiele für NGOs, die eine Alternative zur staatlichen EZ sind und über gute, unterstützungswürdige Ideen verfügen. Angesichts der Flüchtlingsströme nach Europa werden engagierte Kräfte und Konzepte benötigt. UNICEF u.a. in Awassa leider nicht! Wir haben da 2008 besondere Erfahrungen gemacht… es kommt eben auf den Einzelfall drauf an.

JB ´06

"Europas Gier ist Afrikas Hunger"
aus: Le Monde Diplomatique, 14.3.2008

Viele unsinnige Entscheidungen der EU Bürokratie sind bekannt. Daß afrikanische Agrarnationen durch die EU-Agrarpolitik verarmen, kann mit vielen Beispielen unterlegt werden.

Ein Lesetipp:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2008/03/14.mondeText1.artikel,a0002.idx,15

JB ´10

 


Süße Träume


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